Lokschuppen (Passiopetua), Marburg

Wie schön es doch ist nach alle den gastronomiefeindlichen Jahren wieder einen kulinarischen Stern am Marburger Restaurant-Himmel aufgehen zu sehen. Noch schöner wird die Eröffnung des Restaurants Passiopetua im Lokschuppen durch den Umstand, dass das Restaurant ein für Marburg innovatives Konzept anbietet, eingebettet in ein einzigartiges Ambiente.

Passiopetua ist eine Wortschöpfung aus Passion und Perpetuum Mobile. Es soll Leidenschaft und den beständigen Kreislauf der Natur widerspiegeln. Wie bereits erwähnt, ist das Restaurant eingebettet in ein ambitioniertes Gesamtkunstwerk aus Kulinarik, Café, Hotel (Eröffnung 2023) und Arbeitsumgebung zur Nutzung des alten Marburger Lokschuppens und dem Drumherum. Der Umbau kommt äußerst intelligent daher und spielt gefühlvoll mit dem historischen Vermächtnis des Gemäuers im Industrial-Style. Das Passiopetua bildet die kulinarische Speerspitze des Lokschuppens, ist aber eng vernetzt mit dem angrenzendem Omnio Deli und der Fiori Bar.

Im Moment tut sich der ein oder andere Gastronom schwer gutes Personal zu finden, munkelt man. Nach einer Handvoll guter Servicekräfte braucht keiner mehr zu suchen, denn diese hat der Lokschuppen Marburg angeheuert. Bei unseren bisherigen zwei Besuchen am Abend im Passiopetua wurden wir sehr freundlich, höflich, zügig und gut bedient. Das Personal ist prima abgestimmt und einige erfahrene Mitarbeiter im Service behalten stets den Überblick und beraten z.B. bei der Flaschenweinkarte.

Grill, Glut und viel Gemüse

Wortwörtlich im Mittelpunkt der offenen Restaurantküche steht der Holzkohlegrill, dessen Rauch und Gerüche über ein beeindruckendes, groß dimensioniertes Rohr einmal vertikal aus dem Gästeraum geleitet werden. Ein Großteil der Gerichte kommt von ebenjenem Grill und darf aromatisch mit Feuer und Glut auf Tuchfühlung gehen. Die Küche definiert sich über vielerlei saisonales rohes, konserviertes oder gegartes Gemüse, welches mit schmackhaften Soßen oder bunten Vayos (vegane Mayonnaise) und gegrillten Highlights wie Rind, Huhn, Fisch oder Gemüse, z.B. der Glutkarotte, daherkommen. Alle Gerichte auf der ständig wechselnden Karte des Passiopetua sind sehr kreativ, bieten stets eine Vielzahl an Komponenten und dürfen als äußerst individuell bezeichnet werden. Ihr findet auf der Speisekarte kein Wiener Schnitzel mit Pommes und ebenso wenig werdet ihr ein Gericht dieser Karte in einem anderen Restaurant in der näheren Umgebung finden.

Glut Gemüse (10,50€): Eine bunte Mischung aus noch knackigem, gegrillten Gemüse und Pilzen serviert in einem heißen Gusspfännchen mit Olivenöl, Chili und Kräutern. Ich liebe diese angekohlten Frühlingszwiebeln.
Gegrillte Garnelen in einer Misosuppe. Eine schlicht daherkommende Umamibombe.
PinziOmnio (9,50€): Frisches und gepickeltes Gemüse mit Hummus, Vayos und Focaccia. Ein einfaches, aber in mehrerlei Hinsicht erfrischendes Gericht. Ein Foto unseres Besuchs im Sommer.
Fisch des Tages (28,50€): Fisch vom Grill auf einem Bett aus tollem Graupenrisotto und Wurzelgemüsemus (eventuell Sellerie). Dazu Aprikose und Vayo. Ein etwas weniger spektakuläres Gericht, das im Vergleich zu den Vorspeisen und dem weiteren Hauptgericht (siehe unten) in Portionsgröße und Ausführung überschaubar bleibt.
Gegrillte Austernpilze kombiniert mit Spalten von Kartoffel und Süßkartoffel. Ein köstlicher Berg an Gemüse, der kaum zu bewältigen war.

FAZIT

Passiopetua
Rudolf-Bultmann-Straße 4h
35039 Marburg

06421 – 8898970
Website

Mo & Di Ruhetag

Restaurant Klasse
Gehobene Mittelklasse

Preis pro Person
ca. 35-60€

Anlass
Kreative Küche, Wein und Drinks zu zweit oder in größeren Gruppen genießen. Vegane Freunde gerne mitnehmen.

Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Wir sind sehr, sehr froh um den Lokschuppen und das Passiopetua. Es belebt nicht nur ein Stadtgebiet und die dortigen alten Bahngebäude, sondern ist als Gesamtkonzept eine Bereicherung für ganz Marburg. Das Restaurant überzeugt durch eine kreative, moderne, innovative, Küche mit viel Gemüse und Grillaroma sowie einem hervorragenden Service. Hier und da erschienen uns erwartete Portionsgröße, Art des Gangs (also z.B. Vorspeise) und Preis nicht gänzlich abgestimmt, aber das soll nur eine winzige kleine Anmerkung bleiben und wird uns nicht davon abhalten, das Passiopetua alsbald wieder zu besuchen. Mit viel Raum für Entdeckungen und ihrer Saisonalität steht uns die Speisekarte auf jeden Fall nicht im Weg.


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