Mizu, Marburg: Asiatisches Casual Fine-Dining

Casual Fine-Dining mit dem wohl besten Sushi der Stadt wäre die kurze Zusammenfassung unseres ersten Besuchs im neuen asiatischen Restaurant der VILA VITA-Gruppe in Marburg. Wir sagen Euch, was Ihr bei einem Besuch im Mizu erwarten könnt und was vielleicht auch nicht.

Die kulinarische Meile der Vila Vita-Gruppe direkt am Wasser der Lahn (jap. mizu = Wasser) ist wieder ein Stück größer und vielfältiger geworden. Im ehemaligen Gebäude des in der Pandemie geschlossenen Café Rosenpark (wir vermissen es ein wenig) hat seit wenigen Wochen eine Oase des fernöstlichen Geschmacks Einzug erhalten. Sie vereint und kombiniert vielerlei asiatische Küchen mit kreativen Cocktailkreationen, Sake, Whisky. Daneben orientiert man sich an der gehobenen Gastronomie und verwöhnt den Gast z.B. mit Stoffservietten und einem Gruß aus der Küche.

Ein Rundhaus in Marburg mit einem Treppenaufgang und Windlichtern

Es lässt sich nicht abstreiten, dass das Gebäude durch seinen individuellen Baustil geradezu prädestiniert scheint, in entfernte, fremde kulinarische Welten zu entführen. Die runde Bauweise erinnert ein wenig an Tulou-Häuser in China und die chinesische Küche fehlt auch bei der angepriesenen Asia-Fusionsküche im Restaurant nicht. Das neue Ambiente ist auch innen stilvoll, harmonisch und bis ins letzte Detail durchdacht.

Im unteren Stock finden sich wenige Tische und die offene Showküche, in der der Küchenchef mit seinem Team arbeitet. Im oberen Stock ist dann mehr Platz für die Gäste, die sich vereinzelt etwas näher kommen könnten und nur durch ein paar lichte Bambusstäbe voneinander getrennt sind. Der Geräuschpegel bei voller Auslastung ist nicht zu verachten, trägt aber zur lebendigen und einladenden Stimmung im Mizu bei.

Dem in ausreichender Zahl vorhandenen, sehr freundlichen Personal gelingt es hervorragend, den Gästen über zwei Stockwerke und bei umfangreichem, teils erklärungsbedürftigem Angebot, gerecht zu werden und dafür zu Sorgen, dass es an nichts fehlt. Eine Reklamation unsererseits wurde professionell und unkompliziert aus der Welt geschafft.

Zügig wurden wir mit einem (ausnahmsweise) alkoholfreien Cocktail, wie dem Flower Child (8€), verwöhnt. Hier bietet das Mizu neben Weinen und Spirituosen wie jap. Whisky eine große Auswahl an kreativen, raffinierten Drinks. Für unseren Geschmack dürften die alkoholfreien Cocktails mehr Säure und weniger Süße mitbringen.

Asia Fusionsküche im Mizu

Das Mizu bietet eine umfangreiche Karte an Speisen an, darunter auch ein Omakase 4-Gang Menü (79€ p.P.) zum Teilen. Unter der Fusionsküche versteht man für gewöhnlich die Kombination bzw. Verschmelzung verschiedener regionaler Küchen, typischer Gerichte und Zutaten in einem Gericht. Im Setting des Mizu wird der Begriff eher für das Vorfinden typischer Gerichte verschiedener Länder auf einer Karte verwendet: Korea, Thailand, China, Japan und sogar ein wenig Indien sind zu finden. Die Küche würden wir im Folgenden in zwei Teilen beschreiben. Zunächst Japan und dann die restlichen Regionalküchen. Zudem findet ihr zu mehreren Gerichten Fotos und Beschreibungen weiter unten.

Part 1: Japan @ Mizu

Die japanische Küche ist eine Produktküche. Salz, Öle und Gewürze spielen eine untergeordnete Rolle und der Eigengeschmack der wenigen Zutaten steht im Vordergrund. Wir aßen Sashimi und Nigiri mit verschiedenen Fischarten. Wir sind kulinarisch in dieser Küche nicht bis ins letzte Detail bewandert, aber behaupten dennoch, hier unser bisher bestes Sushi gegessen zu haben. Reis und Fisch unseres Sushi waren von toller Qualität sowie hervorragend dimensioniert und toll präsentiert. Der frisch geriebene, echte Wasabi und die hauseigene, milde Sojasoße verliehen den kleinen Fischhappen den letzten Schliff. Entfernte sich die Küche vom traditionellen japanischen Stil und seinen Grundsätzen, war das Essen immer noch sehr gut, aber reicht unserer Meinung nicht an die Güte des klassischen Sushi heran. Schon das Pekingente-Uramaki (auch California Rolls oder Inside Out) machte uns nicht mehr so glücklich wie die Sushi zuvor. Warme Speisen, welche der japanischen Küche zuzuordnen waren, probierten wir leider nicht.

Part 2: Der Rest Asiens oder „Weniger ist mehr“

Neben der puristischen, filigranen japanischen Küche finden wir viele Gerichte auf der Karte, die von Haus aus mächtiger angelegt sind. Hier finden wir viel Tempura, Mayonnaisen und andere Würzsoßen in Klassikern der asiatischen Küche, die auch in anderen Restaurants in Marburg und Umgebung zu finden sind, aber auch in sehr originellen Speisen wie zum Beispiel dem Lotuswurzelsalat. Die Gerichte sind gut. Sie sind wahrscheinlich jedem Asiarestaurant im Umkreis überlegen. Man hätte jedoch versuchen können, auch in diesem Bereich der Karte mehr Fokus, Finesse und einen Hauch mehr Fine Dining zu präsentieren, um zum Sushierlebnis aufzuschließen. Denn, um es in einer plumpen Fußballmetapher auszudrücken, die Sushierfahrung im Mizu spielt definitiv Champignons-League.

Foto-Highlights aus dem Mizu

Vorspeisensalat mit einer frittierten Zwiebel in der Mitte in Form einer Blume
Lotuswurzelsalat mit Thai-Mango (13€). Ein in sich sehr stimmiges, veganes Gericht mit wuchtigem, cremig-fruchtigen Dressing, obgleich der Titel auf der Karte weniger Zwiebel, mehr Mango erwarten ließ und wir sehr davon überzeugt waren, dass statt Süßkartoffel Hokkaido serviert wurde.
Tintenfisch Tempura mit japanischer Mayo (16 €). Hausgemachte Tintenfischringe in Tempurateig frittiert. Dazu ein Yuzu-Mayonnaise.
Drei Stücke Sashimi Tuna Chutoro (12 €). Der etwas fettigere und zart-schmelzende Bauchteil des Bluefin Thunfisches serviert in einer massiven Schale über Trockeneis. Unser Highlight des Abends.

Je zwei Nigiri Hamachi (10€), Hotate (12€) und im Hintergrund die Uramaki „Peking Roll“ (18€). Die Nigiri von der Gelbschwanzmakrele und Jakobmuschel überzeugten auf ganzer Linie. Die Inside-Out Maki waren gut, hatte aber im Vergleich geschmacklich und im Mundgefühl das Nachsehen.
O-Mochi (9€). Drei schmackhafte, kleine Mochi Reisteigbällchen, gefüllt mit Eis bildeten den nicht zu süßen, perfekten Abschluss unseres Abends.

FAZIT

MIZU
Annelise-Pohl-Allee 2
35037 Marburg

06421 – 6005570
Website

Mo & Di Ruhetag

Restaurant Klasse
Casual Fine-Dining

Preis pro Person
ca. 70-100€

Anlass
Asia-Entdeckungstour mit Freunden oder das Date mit Stäbchenskills beeindrucken. Liebhaber von Sushi und kreativer Cocktails.

Das Mizu ist eine erstklassige Adresse für Liebhaber der asiatischen Küche. Hier findet sich für jeden Geschmack das passende Gericht und dazu ein korrespondierender, kreativer, asiatisch angehauchter, wenn gewünscht, alkoholfreier Cocktail. Während die Speisekarte so ziemlich jedes gewünschte Geschmacksprofil in sehr guter Manier befriedigt, sticht ein Bereich besonders hervor und überzeugte uns in Qualität, Zubereitung, Geschmack und Präsentation am meisten: Nigiri & Sashimi. Wir wollen nicht zu sehr übertrieben, aber hier werden für Marburg definitiv neue Maßstäbe gesetzt. Im dargebotenen Rahmen flirtet das Mizu hier und da mit der Fine-Dining Welt, was sich letztlich natürlich auch im Preis bemerkbar macht und machen darf. Wir waren nicht zum letzten Mal im Mizu und freuen uns darauf, die Karte weiter zu erkunden und zu entdecken.


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